Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 38 - 23.02.2016

Qualifizierte Fachkräfte gibt es nicht zum Nulltarif

Duale Berufsausbildung ist ein zukunftssicheres Sprungbrett in die Arbeitswelt

Hans-Dieter Schenk DGB

DGB-Regionsgeschäftsführer Hans-Dieter Schenk, betont zum Start der bayernweiten Woche der Aus- und Weiterbildung am 19. Februar: „Die duale Berufsausbildung bietet jungen Menschen ein zukunftssicheres Sprungbrett in die Arbeitswelt. Die Auszubildenden sammeln praktische Erfahrungen, haben verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten und können sich früh für ihren beruflichen Aufstieg vernetzen.“ Schenk nimmt die Arbeitgeber in die Pflicht: „Qualifizierte Fachkräfte gibt es nicht zum Nulltarif. Die bisherigen Versuche der Arbeitgeber, die duale Ausbildung ansprechender zu gestalten, waren nur halbherzig. Wer Berufsausbildung attraktiv machen will, der muss für eine hohe Ausbildungsqualität, eine angemessene Bezahlung, eine garantierte Übernahme nach der Ausbildung und Aufstiegsmöglichkeiten sorgen.“

 

Schenk macht deutlich: „Es besteht unbestritten ein „Matching“-Problem auf dem Ausbildungsmarkt, wenn Schulabsolventen keinen Ausbildungsplatz finden und es dennoch offene Lehrstellen gibt.“ Trotz des Erfolgs der dualen Ausbildung suchten allein im vergangenen Jahr viele junge Menschen erfolglos nach einem Ausbildungsplatz. Zeitgleich konnten oder wollten viele Betriebe ihre angebotenen Lehrstellen nicht besetzen. Diese Situation betraf vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe und das Lebensmittelhandwerk.

 

„Die Problematik lässt sich nicht ausschließlich auf den Akademisierungswahn oder den demografischen Wandel zurückführen. Vor allem Jugendliche mit niedrigeren Schulabschlüssen gingen im letzten Jahr bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus“, betont Schenk. Er wendet sich an die Betriebe: „Es geht nicht, dass sich die Arbeitgeber einerseits die Bewerber mit dem höchsten und besten Schulabschluss heraus picken und andererseits über einen angeblichen Bewerbermangel klagen. Die Arbeitgeber dürfen auch vermeintlich schwächere Jugendliche nicht aus den Augen verlieren. Sie müssen Unterstützungsmöglichkeiten wie die assistierte Ausbildung oder die ausbildungsbegleitenden Hilfen nutzen.“

 

Aber nicht nur die Arbeitgeber sind zum Handeln aufgefordert. Schenk sieht auch die Staatsregierung in der Verantwortung. Die Weiterbildung läuft nicht optimal. Nach wie vor entscheiden Qualifikationsniveau und Betriebszugehörigkeit darüber, ob Arbeitnehmer sich weiterbilden können oder nicht. Jenseits von Sonntagsreden in Diskussions- und Informationsveranstaltungen muss die bayerische Staatsregierung endlich ein Bildungsfreistellungsgesetz in Bayern schaffen. Jedem Arbeitnehmer stehen fünf Tage bezahlter Bildungsurlaub zu. Dieser Anspruch muss gesetzlich festgehalten werden, so wie in allen anderen Bundesländern - außer in Sachsen und Bayern - auch.“

 

Der DGB hat die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für die Berufsausbildung im Blick, an 365 Tagen im Jahr. Die Interessensvertreter in den Betrieben sind für die Jugendlichen da und streiten für eine qualitativ gute Ausbildung. Im sozialpartnerschaftlich organisierten Berufsbildungssystem setzen sich die Ehrenamtlichen des DGB in den Berufsbildungs- und Prüfungsausschüssen bei den zuständigen Stellen dafür ein, das Ausbildungswesen ganzheitlich und zukunftssicher zu gestalten. Zudem ist der DGB Mitglied im Fachkräftebündnis und auf Bundesebene Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung. Gemeinsam mit den Kammern und den Arbeitgeberverbänden organisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund die bundesweite „Woche der Ausbildung“ vom 7. bis zum 11. März 2016 unter dem Motto „Zukunft braucht Ausbildung“.


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